Die vier Bezugswege am Markt - und welche davon über uns laufen
Der 203er-Status ist nie eine Eigenschaft des Modells - er ist eine Eigenschaft der Kombination aus Modell und Bezugsweg. Dasselbe Modell kann über einen Weg tragfähig sein und über einen anderen ungedeckt. Die fachliche Modellwahl - welches Modell welche Aufgabenklasse trägt - ordnet der allgemeine Modellvergleich 2026 ein; hier geht es um die Zulässigkeits-Ebene. Zwei der vier Wege liefern wir sofort: auf Weg 2 Claude und Gemini über Google Vertex, auf Weg 3 die offenen Modelle, die wir selbst hosten. ChatGPT über Microsoft Azure folgt auf Weg 1, sobald Microsoft freischaltet. Auf Anfrage beziehen Sie Modelle zudem über AWS und IONOS. Weg 4 beschreiben wir zur Einordnung, er läuft nicht über uns:
Weg 1 - Microsoft Azure: die Vertragslinie
Microsoft führt einen standardisierten Verschwiegenheits-Zusatz für Berufsgeheimnisträger, abgeschlossen zwischen Kunde und Microsoft. Der Abschluss erfolgt je Kanzlei einzeln - jede Anbindung ist ein eigener Vertragsvorgang mit eigener Laufzeit. Der öffentlich dokumentierte Geltungsbereich ist Microsoft 365; für die Azure-Modelle verweist Microsoft auf die Einzelfall-Klärung. Für unsere Vertragslinie ist diese Klärung erfolgt: Wir haben die Vertragsstrecke bis zur Unterschrift geführt, sie erfasst die Azure-Modelle - die Kanzlei verhandelt den Geltungsbereich also nicht selbst. Pflicht ist ein Deployment mit EU-only-Verarbeitung. Die CLOUD-Act-Exposition bleibt bei diesem Weg bestehen - der TIA/SCC-Baustein ist deshalb Pflichtbestandteil der Kette.
Die Vereinbarung ist dabei nicht das Hindernis. Die Missbrauchsüberwachung von Azure OpenAI speichert Eingaben und Ausgaben und lässt in definierten Fällen menschliche Sichtung durch Beschäftigte des Anbieters zu. Die Ausnahme davon erteilt Microsoft nur Kunden und Partnern, die ein Microsoft-Account-Team betreut, oder in einem berechtigten Programm. Sofort verfügbar sind deshalb über uns Claude und Gemini auf Weg 2 und die offenen Modelle auf Weg 3; ChatGPT kommt mit Zero Retention dazu, sobald Microsoft diese Ausnahme für die jeweilige Kanzlei erteilt hat. Wir beantragen sie für jede Kanzlei einzeln, das dauert in der Regel Monate, meist drei bis vier, und bis dahin richten wir den Weg für die Kanzlei nicht ein.
Quelle: Microsoft-Learn-Dokumentation (Verschwiegenheits-Zusatz für Berufsgeheimnisträger, Abuse-Monitoring-Eligibility, Deployment-Typen); Abruf 22.07.2026.
Weg 2 - Google Vertex: Vertrags- und Technik-Linie
Für den Google-Weg, über den Gemini 3.8 Flash läuft, ist unsere Vertragskette gezeichnet - eine Kanzlei muss dafür keinen eigenen Vertragsvorgang mit Google führen. Instrument und Geltungsbereich legen wir auf Anfrage offen: Lieferantenkette im Vertragskit (nach E-Mail-Bestätigung). Die Gosign-Kette mit eigener Abs.-4-Verpflichtung steht davor. Die Redaktion vor dem Modell-Aufruf ist in der Kanzlei-Instanz zuschaltbar, als Datenminimierung (mehr zur Redaktion).
Davon zu trennen ist die technische Linie: Dass für das Gosign-eigene Google-Cloud-Projekt keine Prompts gespeichert werden, beruht auf einer gesondert genehmigten Ausnahme; die liegt extern bei Google und ist projektgebunden. Die Referenz-Konfiguration ist bewusst maximal auf No-Persistence gestellt: EU-Endpunkt und keine Protokollierung von Prompts für die Missbrauchsüberwachung; bei Gemini ist das Caching abgeschaltet, bei Claude liegen wiederkehrende Prompt-Teile technisch für wenige Minuten im Zwischenspeicher (Prompt-Caching). Setups im Kunden-Tenant brauchen je Projekt eine eigene Ausnahme - die Antrags-Begleitung ist Teil der Leistung.
Über dieselbe Plattform sind auch Claude Opus 5.5, Claude Sonnet 5 und Claude Haiku 4.5 beziehbar - mit Speicherfreiheit, EU-Endpunkten und ohne Content-Zugriff von Google oder Anthropic. Das ist bemerkenswerter, als es klingt: Es sind die aktuellen Spitzenmodelle, nicht eine abgespeckte Behörden-Variante. Umgekehrt gilt die Ehrlichkeit auch nach unten: Claude Fable und Claude Mythos sind nach heutigem Stand über keinen der geprüften Wege 203er-tauglich zu beziehen - wir weisen das aus, statt es zu übergehen. Modellklassen, deren Nutzungsbedingungen eine mehrwöchige Prompt-Speicherung und verpflichtende Datenweitergabe an den Modellanbieter vorsehen, sind für Berufsgeheimnisträger-Workloads bei uns gesperrt - der 203er-Modellkatalog weist das je Kombination aus Modell und Bezugsweg aus.
Quellen: Google-Cloud-Dokumentation (Data Governance, Abuse Monitoring, Cloud Data Processing Addendum), Anthropic-Dokumentation (Claude auf Vertex AI); Abruf der Dokumentation jeweils 22.07.2026.
Weg 3 - offene Modelle, von uns selbst gehostet in Deutschland
Die offenen Modelle halten wir selbst und betreiben sie in deutschen Rechenzentren. Kein Modellanbieter ist an der Verarbeitung beteiligt und kein US-Rechtsträger an der Kette - die CLOUD-Act-Frage entfällt, die berufsrechtliche Auslandsschranke wird nicht berührt. Sofort verfügbar sind unter anderem DeepSeek V4.1 Flash, Mistral Small 4, Qwen 3.8 27B, Gemma 4, Apertus 70B und GPT-OSS 120B; welche Kombination aus Modell und Bezugsweg welchen Status trägt, führt der 203er-Modellkatalog nach. Die Verschwiegenheitsverpflichtung nach § 203 StGB ist auf jeder Stufe bis zum Rechenzentrum gezeichnet, in Textform und mit Belehrung über die Strafbarkeit. Dieser Weg trägt die Token-/API-Angebote der Lösungs-Treppe zusammen mit Claude und Gemini über Weg 2.
Weg 4 - ein Telekommunikationskonzern mit eigener Standard-Vereinbarung
Die Telekom bietet für die Open Telekom Cloud seit 2021 eine standardisierte § 203-Verschwiegenheitsvereinbarung an, die sie mit ihren eigenen Kunden schließt; sie gilt auch für die AI Foundation Services, über die unter anderem DeepSeek, Llama und Mistral Small managed laufen. Wer diesen Weg gehen will, schließt die Vereinbarung selbst mit der Telekom. Über Gosign läuft dieser Weg nicht, wir führen ihn zur Einordnung.
Quelle: T-Cloud-Public-Dokumentation (AI Foundation Services); Abruf 22.07.2026.
Weg 3 oder Weg 4 - woran Sie es festmachen
Beide Wege sind ohne US-Konzernmutter, beide rechnen in Deutschland, beide tragen offene Modelle. Der Unterschied liegt beim Vertrag - und der entscheidet meist schon vorab, welcher Weg für Sie der richtige ist.
| Kriterium |
Weg 3 - selbst gehostet, über uns |
Weg 4 - Telekom, direkt |
| Ort der Verarbeitung | Deutschland | Deutschland |
| Modellauswahl | Die offenen Modelle des 203er-Modellkatalogs, darunter DeepSeek, Mistral und Apertus | Zusätzlich Spezialmodelle für Transkription, Embeddings und Code |
| Vertragsgrundlage | Eine durchgehende Kette bis zum Rechenzentrum, auf jeder Stufe nach § 203 StGB verpflichtet - dieselbe für alle Modelle. | Standardisierte § 203-Verschwiegenheitsvereinbarung seit 2021, die Sie selbst mit der Telekom schließen |
| Passt, wenn | Sie Chat, Token oder API über uns beziehen und neben den offenen Modellen auch Claude und Gemini nutzen wollen | Sie ohnehin Kunde der Telekom sind oder deren Spezialmodelle für Transkription und Suche brauchen |