Die vier Bezugswege
Der 203er-Status ist nie eine Eigenschaft des Modells - er ist eine Eigenschaft der Kombination aus Modell und Bezugsweg. Dasselbe Modell kann über einen Weg tragfähig sein und über einen anderen ungedeckt. Die fachliche Modellwahl - welches Modell welche Aufgabenklasse trägt - ordnet der allgemeine Modellvergleich 2026 ein; hier geht es um die Zulässigkeits-Ebene. Vier Wege haben wir vertraglich und technisch geprüft:
Weg 1 - Microsoft Azure: die Vertragslinie
Microsoft führt einen standardisierten Verschwiegenheits-Zusatz für Berufsgeheimnisträger, abgeschlossen zwischen Kunde und Microsoft. Der Abschluss erfolgt je Kanzlei einzeln - jede Anbindung ist ein eigener Vertragsvorgang mit eigener Laufzeit. Der öffentlich dokumentierte Geltungsbereich ist Microsoft 365; für die Azure-Modelle verweist Microsoft auf die Einzelfall-Klärung. Für unsere Vertragslinie ist diese Klärung erfolgt: Wir haben die Vertragsstrecke bis zur Unterschrift geführt, sie erfasst die Azure-Modelle - die Kanzlei verhandelt den Geltungsbereich also nicht selbst. Pflicht ist ein Deployment mit EU-only-Verarbeitung. Die CLOUD-Act-Exposition bleibt bei diesem Weg bestehen - der TIA/SCC-Baustein ist deshalb Pflichtbestandteil der Kette.
Quelle: Microsoft-Learn-Dokumentation (Verschwiegenheits-Zusatz für Berufsgeheimnisträger, Abuse-Monitoring-Eligibility, Deployment-Typen); Abruf 22.07.2026.
Weg 2 - Google Vertex: Vertrags- und Technik-Linie
Für den Google-Weg ist unsere Vertragskette gezeichnet - eine Kanzlei muss dafür keinen eigenen Vertragsvorgang mit Google führen. Instrument und Geltungsbereich legen wir auf Anfrage offen: Lieferantenkette im Vertragskit (nach E-Mail-Bestätigung). Die Gosign-Kette mit eigener Abs.-4-Verpflichtung, Redaktions-Gateway und klartextfreiem Audit-Trail steht davor.
Davon zu trennen ist die technische Linie: Dass für das Gosign-eigene Google-Cloud-Projekt keine Prompts gespeichert werden, beruht auf einer gesondert genehmigten Ausnahme; die liegt extern bei Google und ist projektgebunden. Die Referenz-Konfiguration ist bewusst maximal auf No-Persistence gestellt: EU-Endpunkt, ohne Caching, ohne Abuse Monitoring. Setups im Kunden-Tenant brauchen je Projekt eine eigene Ausnahme - die Antrags-Begleitung ist Teil der Leistung.
Über dieselbe Plattform sind auch Claude Opus, Claude Sonnet und Claude Haiku beziehbar - mit Speicherfreiheit, EU-Endpunkten und ohne Content-Zugriff von Google oder Anthropic. Das ist bemerkenswerter, als es klingt: Es sind die aktuellen Spitzenmodelle, nicht eine abgespeckte Behörden-Variante. Umgekehrt gilt die Ehrlichkeit auch nach unten: Claude Fable und Claude Mythos sind nach heutigem Stand über keinen der geprüften Wege 203er-tauglich zu beziehen - wir weisen das aus, statt es zu übergehen. Modellklassen, deren Nutzungsbedingungen eine mehrwöchige Prompt-Speicherung und verpflichtende Datenweitergabe an den Modellanbieter vorsehen, sind für Berufsgeheimnisträger-Workloads bei uns gesperrt - der 203er-Modellkatalog weist das je Kombination aus Modell und Bezugsweg aus.
Quellen: Google-Cloud-Dokumentation (Data Governance, Abuse Monitoring, Cloud Data Processing Addendum), Anthropic-Dokumentation (Claude auf Vertex AI); Abruf der Dokumentation jeweils 22.07.2026.
Weg 3 - offene Modelle bei einem EU-Betreiber ohne US-Konzernmutter
EU-Inferenz offener Modelle bei einem europäischen Anbieter ohne US-Konzernmutter - die CLOUD-Act-Frage entfällt strukturell, die berufsrechtliche Auslandsschranke wird nicht berührt. Im Angebot stehen acht Modelle: Llama, Mistral, Qwen, Apertus, Gemma, GPT-OSS, DeepSeek und Kimi - welche Kombination aus Modell und Bezugsweg dabei welchen Status trägt, führt der 203er-Modellkatalog nach. Die § 203-Zusatzvereinbarung mit dem Betreiber ist gezeichnet, ebenso der Reseller-Vertrag: Verschwiegenheitsverpflichtung in Textform mit Belehrung über die Strafbarkeit, Kettenverpflichtung auf dessen Subunternehmer. Dieser Weg trägt die Token-/API-Angebote der Lösungs-Treppe.
Weg 4 - dieselbe Kette, aber der Rechner steht in Deutschland
Für den zweiten Weg besteht seit 2021 eine standardisierte § 203-Verschwiegenheitsvereinbarung aus deutschen Rechenzentren. Wir haben sie gezeichnet, einschließlich der Geltung für die AI Foundation Services (LLM Hub) - dort laufen unter anderem DeepSeek R1, Llama und Mistral Small managed über eine OpenAI-kompatible API. Preise laufen über den Vertrieb.
Quelle: unser Betreiber in deutschen Rechenzentren / T-Cloud-Public-Dokumentation (AI Foundation Services); Abruf 22.07.2026.
Weg 3 oder Weg 4 - woran Sie es festmachen
Beide Wege sind ohne US-Konzernmutter, bei beiden ist die Kette gezeichnet, beide tragen offene Modelle. Der Unterschied liegt an drei Stellen - und die entscheiden meist schon vorab, welcher Weg für Sie der richtige ist.
| Kriterium |
Weg 3 - EU-Betreiber |
Weg 4 - deutsche Rechenzentren |
| Ort der Verarbeitung | EU | Deutschland |
| Modellauswahl | Acht Sprachmodelle, darunter Apertus und Kimi | Breiter: zusätzlich Spezialmodelle für Transkription, Embeddings und Code |
| Vertragsgrundlage | § 203-Zusatzvereinbarung und Reseller-Vertrag, von uns mit dem Betreiber gezeichnet | Seit 2021 standardisierte § 203-Verschwiegenheitsvereinbarung, von uns gezeichnet |
| Passt, wenn | Sie Token oder API über uns beziehen und EU als Verarbeitungsraum genügt | Ihre Mandanten oder Ihre interne Richtlinie deutschen Boden verlangen, oder Sie Transkription und Suche brauchen |