Agent Governance für HR – Warum der CHRO dieses Thema führen muss
Agent Governance ist kein IT-Thema. HR entscheidet über Regelwerke, Bias-Definition, Eskalationsschwellen. Der CHRO muss das Thema führen – nicht delegieren.
Agent Governance ist kein IT-Projekt
Wenn Unternehmen KI-Agenten für HR-Prozesse einführen, wird die Governance typischerweise der IT zugeordnet. Die IT soll sicherstellen, dass der Agent “korrekt” arbeitet. Sie soll die Kontrollen implementieren, das Monitoring aufsetzen und die Compliance gewährleisten.
Das ist ein Fehler. Die IT kann die technische Infrastruktur bereitstellen – Audit Trail, Monitoring, Controls, Auditor Portal. Aber die fachlichen Entscheidungen, die die Governance definieren, kann nur HR treffen:
Welche Entscheidungen darf ein Agent autonom treffen? Was ist die Definition von “niedrigem Risiko” bei einer Vergütungsentscheidung? Ab welchem Punkt muss ein Mensch eingreifen? Was ist eine akzeptable Fehlerrate? Was ist die Definition von Bias in der Leistungsbeurteilung? Welche Mitarbeitergruppen verdienen besondere Schutzmaßnahmen?
Das sind keine technischen Fragen. Das sind HR-Fragen.
Die drei Governance-Ebenen
Agent Governance hat drei Ebenen, und jede erfordert HR-Expertise:
Regelwerk-Definition: Welche Regeln wendet der Agent an? Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, interne Richtlinien. HR definiert die Regeln, die IT implementiert sie im Decision Layer.
Eskalationsregeln: Wann muss ein Mensch eingreifen? HR definiert die Eskalationsschwellen: Bei welchen Entscheidungstypen, ab welchen Wertgrenzen, bei welchen Mitarbeitergruppen. Die IT implementiert die technische Eskalation.
Bias-Monitoring: Was wird überwacht und wie wird auf Auffälligkeiten reagiert? HR definiert die Bias-Metriken: Welche Gruppen werden verglichen? Was ist eine signifikante Abweichung? Was sind die Konsequenzen? Die IT implementiert das statistische Monitoring.
Was passiert wenn HR das Thema nicht führt
Wenn der CHRO Agent Governance an die IT delegiert, entstehen Governance-Lücken:
Die IT setzt Eskalationsschwellen nach technischen Kriterien – Konfidenzwerte, Error Rates, Response Times. Fachliche Kriterien – Mitarbeitergruppen, Entscheidungstypen, Vergütungsgrenzen – fehlen.
Das Bias-Monitoring orientiert sich an statistischen Metriken ohne HR-Kontext. Eine statistische Abweichung von 3% bei der Genehmigung von Weiterbildungsanträgen – ist das ein Problem? Ohne HR-Expertise kann niemand das beurteilen.
Regelwerke werden als technische Konfiguration behandelt, nicht als fachliche Governance. Änderungen an Regelwerken werden ohne HR-Freigabe deployed. Das Ergebnis: Der Agent arbeitet nach Regeln die niemand aus dem Fachbereich validiert hat.
Die Rolle des CHRO
Der CHRO muss Agent Governance als strategisches Thema führen. Das bedeutet nicht, dass der CHRO Prompts schreibt oder Modelle konfiguriert. Es bedeutet:
Regelwerk-Ownership: HR ist verantwortlich für die Richtigkeit und Aktualität der Regelwerke im Decision Layer. Jede Regeländerung wird von HR freigegeben.
Eskalationspolitik: HR definiert die Eskalationsmatrix. Welche Entscheidungen autonom, welche mit menschlicher Prüfung, welche manuell.
Bias-Strategie: HR definiert die Bias-Metriken und die Reaktionsprozesse bei Auffälligkeiten.
Berichterstattung: HR erhält regelmäßige Governance-Reports aus dem Auditor Portal und wertet sie aus.
Betriebsratsarbeit: HR führt die Abstimmung mit dem Betriebsrat zur KI-Betriebsvereinbarung und stellt sicher, dass die BR-Anforderungen als Controls implementiert sind.
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